Bedarfsermittlung bei Schülern ab 15 Jahre
Brauche ich als Schüler überhaupt eine Berufsunfähigkeitsversicherung und wie schließe ich grundsätzlich den Vertrag?
Diese Zahlen mögen manchen doch überraschen: Das Risiko einer dauerhaften Schwerbehinderung ist bei Kindern und Jugendlichen in weit über 90 % der Fälle auf Krankheiten und nur zum Rest auf Unfälle zurückzuführen.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Schwerbehindertenstatistik Kinder und Jugendliche 2003 veröffentlicht in Zeitschrift FINANZtest; Heft 1/2007
Nicht anders sieht es mit der Risikoverteilung bei der späteren Aufnahme einer Berufstätigkeit aus. Auch hier überwiegt das Krankheitsrisiko deutlich.

Das insbesondere auch psychische Erkrankungen bei Schülern auf dem Vormarsch sind, zeigte eine Studie der DAK aus dem Jahre 2011. So soll danach bereits jeder 3. Schüler in Deutschland an depressiven Stimmungen leiden (vgl. auch Artikel in der Süddeutschen Zeitung) .
Unser Rat
Das Risiko, dauerhaft einer Tätigkeit nicht mehr nachgehen zu können, kann jeden treffen. Ob nun überhaupt ein derartiger Versicherungsschutz benötigt wird, hängt von der persönlichen Situation ab. Zunächst ist es daher wichtig, den Versicherungsbedarf zu ermitteln. Als Schüler genießen Sie Schutz über die gesetzliche Unfallversicherung während des Besuches von berufs- oder allgemeinbildenden Schulen. Wie Sie der Leistungsübersicht der gesetzlichen Unfallversicherung entnehmen können, sind die Leistungen selbst bei 100 % Invalidität eigentlich nicht ausreichend und decken auch nur den Unfall ab. Das Krankheitsrisiko ist über die gesetzliche Unfallversicherung daher ebenso wenig versichert wie das Unfallrisiko in der Freizeit. Daher sollte sowohl das hohe Krankheits- als auch das Unfallrisiko privat abgesichert werden. Einige Hundert Euro abzusichern bringt aus unserer Sicht allerdings meist nicht sonderlich viel, da das Kind sich später im Zweifel damit nur um seine gesetzliche Mindestabsicherung (Hartz IV) bringen würde. 850 € bis 1.000 € Rente sollten es aus unserer Sicht zum Start mindestens sein, damit eine Absicherung auch Sinn macht.
Für Schüler, die mindestens 15 Jahre alt sind, bieten sich dabei mehrere Absicherungsoptionen an.
Das Problem
Schüler üben eigentlich gar keinen Beruf aus.
Lösung 1: Berufsunfähigkeitsversicherung
Mittlerweile gibt es einige Versicherer, die Schülern ab einem Alter von 15 Jahren eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit sehr guten Versicherungsbedingungen zur Verfügung stellen. Berufsunfähigkeit liegt dann vor, wenn der Schüler seinen Schulalltag nur noch zu 50 % bewältigen kann und zwar abhängig von der schulischen Laufbahn. Maßgebend für die Beurteilung der Leistungspflicht des Versicherers ist daher die zuletzt konkret ausgeübte Tätigkeit des Schülers. Die gewählten Schulfächer, der Schulweg und die Hausaufgaben spielen hier ggf. eine Rolle. BU-Renten sind hier bis 1.000 € bzw. 1.500 € monatlich möglich. Eine Beitragsdynamik kann ebenso wie eine Erhöhungsoption vereinbart werden. Der Versicherungsvertrag kann bis zum 67. Lebensjahr abgeschlossen werden, so dass Schüler sich zu einem günstigen Beitrag bereits bis zum Beginn des Regelrenteneintrittsalters (z.Zt. 67 Jahre) absichern können. Weitere Vorteile dieser Variante: Die Beiträge sind aufgrund des Alters günstig. Dies gilt insbesondere für Schüler, die später einen Beruf ausüben, in dem sie körperlich tätig sind. Bezahlbarer Schutz zu guten Konditionen beispielsweise für Maurer, Tischler und Zimmermänner, ist dann kaum noch zu bekommen. Eine spätere Berufsaufnahme ändert jedoch an den günstigen Einstiegsbeiträgen nichts. Aber auch Gymnasiasten profitieren bei einigen Anbietern: Sie bekommen hier eine besonders günstige Berufsgruppeneinstufung. Außerdem: In jungen Jahren ist die Krankengeschichte meist noch nicht so ausgeprägt. Die Wahrscheinlichkeit, den Schutz zu normalen Konditionen zu bekommen, ist deutlich höher.
Diese Angebote werden von uns daher empfohlen. Fordern Sie zunächst über unser Angebotsanforderungsformular einen kostenlosen Versicherungsvergleich an.
Hingewiesen sei der Vollständigkeit halber auf folgende Alternativen:
Alternative: Kinderunfall- bzw. Invaliditätsversicherung
Neben herkömmlichen privaten Kinderunfallversicherungen gibt es auch sogenannte Kinderinvaliditätsversicherungen. Der Schutz der Kinderinvaliditätsversicherung ist natürlich umfassender als der einer herkömmlichen, deutlich kostengünstigeren Unfallversicherung (guten Schutz gibt es schon für ca. 100 € pro Jahr), da das hohe Krankheitsrisiko dort mitversichert ist.
Nachteilig wirkt sich aus, dass angeborene Krankheiten von den meisten Anbietern oftmals in den Versicherungsbedingungen ausgeschlossen werden oder es werden im Antrag Fragen nach Vorerkrankungen gestellt und dann werden diese nicht versichert. Ebenso werden auf Drogen und Trunkenheit zurückzuführende Erkrankungen bzw. psychische Leiden (z.B. Neurosen, Psychosen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen) oftmals nicht in den Schutz einbezogen. Ein wichtiges Qualitätskriterium ist auch, ob der Bescheid des Versorgungsamtes ausreicht , um den Leistungsfall festzustellen oder ob der Versicherer dies selbst prüft. Die Leistung gibt es meist ab einem Grad der Behinderung von 50 %. Auf die Ausschlüsse und Leistungsvoraussetzungen in den Versicherungsbedingungen sollte daher genau geachtet werden.
Nach einer Untersuchung der Zeitschrift FINANZtest (Ausgabe 1/2007) kostet die Absicherung von 1.000 € Monatsrente zwischen 340 € und 471 € pro Jahr. Nur sehr wenige Versicherer bieten Kindern beim Abschluss einer Kinderinvaliditätsversicherung an, den Schutz später ohne erneute Gesundheitsprüfung in eine Berufsunfähigkeitsversicherung (zu den dann geltenden Tarifen und Bedingungen) umwandeln zu können. Ein guter Gedanke, bedenkt man wie schwer es für Erwachsene oftmals ist aufgrund bestimmter Vorerkrankungen geeigneten Schutz zu bekommen. Allerdings: Aus unserer Sicht sind dies leider nicht immer gerade die Anbieter, die bei den Berufsunfähigkeitsversicherungen bei Beitrags- und Leistungsvergleichen gut abschneiden. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist da doch grundsätzlich empfehlenswerter.
Die Kinderinvaliditätsversicherung ist für Schüler ab 15 Jahren dann erste Wahl, wenn die Risikoprüfung mit Hilfe unserer Voranfragen bei einer empfehlenswerten Berufsunfähigkeitsversicherung ergeben hat, dass der Schutz überhaupt nicht oder nur stark eingeschränkt zu erhalten ist. Gerne erstellen wir für Sie mehrere Versicherungsvorschläge samt entsprechenden Vergleichen und Analysen. Auch hier sollte bei den Anbietern zunächst eine Risikovoranfrage gestellt werden, ohne dass man direkt im Datendschungel der Versicherungswirtschaft landet. Natürlich sind wir auch dabei behilflich. Sie können hier Unterlagen zu empfehlenswerten Angeboten samt Vorschlägen anfordern.
Alternative: Berufsunfähigkeitsversicherung mit Schuldienstklausel
Es gibt einige wenige Anbieter, die Schülern eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer so genannten Schuldienstklausel anbieten. Die Rente gibt es hier -vereinfacht ausgedrückt- dann, wenn das Kind dauerhaft nicht mehr am Schulunterricht teilnehmen kann. Ein Kind, das im Rollstuhl am Schulunterricht teilnehmen kann, erhält daher keine Rente. Allerdings beschränken diese Anbieter ihre Leistungen auf 750 € bzw. 1.000 € Monatsrente. Eine Beitragsdynamik bzw. Leistungsdynamik ist bei den uns bekannten Anbietern ebenfalls nicht vorgesehen, so dass sich der Versicherte doch ganz schön dem Inflationsrisiko aussetzt. Außerdem können die Überschüsse nicht mit den Beiträgen verrechnet werden, sondern fließen in Fonds. Der zu zahlende Beitrag steigt hierdurch - bei dieser From der Geldanlage ist man dann auch nicht sonderlich flexibel. Von daher stehen wir diesen Angeboten kritisch gegenüber. Vorteilhaft wäre nur, dass der Schutz bei einer späteren Aufnahme einer Berufstätigkeit ohne erneute Gesundheitsprüfung in eine herkömmliche Berufsunfähigkeitsversicherung umgewandelt werden kann.
Alternative Multi-/Kombirenten
An dieser Stelle verweisen wir auf unsere umfangreiche Darstellung zu diesen neuen Absicherungsmöglichkeiten. Die Janitos gewährt bereits ab frühem Alter Schutz, während die Axa und die Barmenia erst ab Alter 18 einen Versicherungsabschluss zulassen. Diese Absicherungsformen sind dann interessant, wenn das Ergebnis unserer Vorabrecherchen ergeben hat, dass weder Berufsunfähigkeitsschutz noch der Abschluss einer Kinderinvaliditätsversicherung aufgrund des Gesundheitsszustandes zu akzeptablen Konditionen zu erhalten ist. Eine Alternative wäre diese Versicherungform dann, wenn bewußt Lücken im Versicherungsschutz in Kauf genommen werden müssen, weil der Versicherungsbeitrag für einen Berufsunfähigkeitsschutz oder eine Kinderinvaliditätversicherung aktuell nicht finanzierbar ist.
Alternativen: Grundfähigkeits- und Dread-Disease-Versicherung
Eine weitere Alternative wäre die Absicherung gegen schwere Erkrankungen (Dread-Disease-Versicherung) oder die Absicherung über eine Grundfähigkeitsversicherung, wie sie die Canada Life anbietet. Allerdings sind die Hürden, um an Versicherungsleistungen zu kommen, recht hoch und der Schutz nicht wirklich günstig. Beitragsbeispiel: Für eine Leistung von 100.000 € bei schwerer Krankheit zahlt ein 16-jähriger Nichtraucher einen Monatsbeitrag von 30 €. Für eine Grundfähigkeitsrente von 1.000 € im Monat müsste er 24,10 € (Schutz besteht dann bis Endalter 65) im Monat zahlen. Ein 16-jähriges Mädchen zahlt bei der Canada Life für den gleichen Grundfähigkeitsschutz monatlich 28,25 € (Stand jeweils April 2009). Hauptursachen für eine spätere Berufsunfähigkeit sind, wie oben aufgeführt, psychischer Natur oder liegen im Bereich von Rückenleiden. Beide Krankheitsbilder werden von diesen Versicherungen aus unserer Sicht gar nicht oder nur sehr eingeschränkt abgedeckt. Von daher stehen wir diesen Angeboten ablehnend gegenüber.
Unser Rat
Es ist sehr sinnvoll, Schüler ab 15 Jahren gegen das Krankheitsrisiko bereits frühzeitig abzusichern. Sind die Kinder gesund, sichert man ihnen bereits frühzeitig entsprechenden Versicherungsschutz, ohne dass sie sich später einmal einer erneuten Gesundheitsprüfung aussetzen müssen. Bitte denken Sie daran, eine von uns durchgeführte Untersuchung für die Zeitschrift Ökotest (Ausgabe 3/2011) von 1.100 Fällen mit über 5.000 gestellten Risikovoranfragen ergeben hat, dass nur in ca. 4 % aller Fälle eine Annahme bei allen Anbietern zu normalen Konditionen erfolgte. In allen anderen Fällen gab es Schwierigkeiten. Außerdem ist der Schutz aufgrund des Alters noch sehr günstig. Bereits ab 15 Jahren kann auf geeignete Berufsunfähigkeitsversicherungen zurück gegriffen werden. Zunächst sollte hier ein entsprechender unabhängiger Versicherungsvergleich mit entsprechenden Risikovoranfragen vorgenommen werden. Diesen können Sie hier anfordern.
Wie schließe ich den Vertrag?
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann als eigenständige Versicherung oder in Kombination mit einer...
1. ... Risikolebensversicherung (zur zusätzlichen Hinterbliebenenabsicherung) oder
2. ... Kapitallebensversicherung
3. ... Privaten Rentenversicherung
4. ... fondsgebundenen Lebensversicherung
5. ... fondsgebundenen Rentenversicherung
6. ... Basis-/Rürup-Rente (fondsgebunden oder klassische Anlage)
abgeschlossen werden.
Bei den Varianten 2.- 6. ist ein Sparprozess mit dem Versicherungsschutz gekoppelt. Ob sich das "Sparen" bei einem Versicherungsunternehmen lohnt, ist von einer Vielzahl persönlicher Faktoren abhängig.
Unser Rat
Trennen Sie Spar- und Risikoprozess immer voneinander! Schließen Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung als eigenständigen Vertrag ab. Bei einigen Anbietern kann es etwas preiswerter sein, wenn eine Kopplung mit einer Risikolebensversicherung und geringem Todesfallschutz vorgenommen wird. Auch wenn Sie ansonsten vermeintlich eine "Geld-zurück-Garantie" haben oder zusätzlich fürs Alter zurücklegen, so bedenken Sie bitte: Statistisch gesehen, werden weit über 50 % der kapitalbildenden Lebens-/Rentenversicherungen vor Vertragsende abgebrochen und enden oftmals mit hohen Verlusten! Geld bekommt man in der Regel auch nicht geschenkt, gerade nicht von einem Versicherungsunternehmen! Außerdem: Die Praxis zeigt uns, dass es wirklich purer Zufall wäre, wenn der in Ihrem Fall in Frage kommende Anbieter für den Berufsunfähigkeitsschutz auch noch das beste Angebot für den Sparprozess bieten würde. Bleiben Sie beim Geldanlageprozess daher lieber flexibel, um Ihren wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechend anlegen zu können. Schließlich wissen nur die wenigsten Schüler, ob sie später wirklich dauerhaft einen entsprechenden Job haben und sich den Geldanlageprozeß auch leisten können. Nutzen Sie bei der Altersversorgung später zunächst lieber die staatlichen Förderprogramme, wie beispielsweise die Riesterrente. Die Berufsunfähigkeitsversicherung sollte langfristig, d.h. mindestens bis Alter 65 bzw. 67 abgeschlossen werden.
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